Meerschweine sind keine Streicheltiere, die man einem Kind einfach auf den Schoß setzen kann und es ist glücklich. Es gibt nur ganz wenige, die sich wirklich streicheln lassen. Aber man kann sich schon auch beschäftigen - aber nicht so wie man sich das vorstellt.

1. große Gehege von mehreren Quadratmetern Fläche. Das gibt die Möglichkeit, dass sich ein Kind (oder das erwachsene dicke Frauchen) mit rein setzen kann, man kann auch einen Teil der Geheges mit Decken auslegen. Wenn die Meerschweine so lernen, dass Menschen ihnen da was Leckeres mitbringen kommen sie von ganz alleine und klettern einem auch mal auf den Schoß - auf der Suche nach Gurkenscheibchen.

2. Mehr Schweinchen. Zwei sind so ziemlich die ungünstigste Anzahl neben Einem. Meerschweinchen sind echte Gruppentiere, die mit einem Bock und mehreren Weibchen zusammen leben. Die Gruppe gibt ihnen Schutz und Selbstvertrauen, sie lässt sie mutiger werden und auch zutraulicher. Meerschweine haben oft einen der wach bleibt, während alle anderen schlafen - wie wollen das zwei Schweinchen machen? sich praktisch nie sehen, weil sie verschiedene Wachzeiten haben? Außerdem kommen bei zweien Langeweile und gegenseitiges Mobbing sehr viel häufiger vor. Insbesondere der kastrierte Bock ist sehr wichtig für eine Weibchengruppe (von reinen Bock- oder reinen Weibchengruppen für Kinder würde ich immer abraten) noch dazu sind die Chancen, dass man bei 5 Schweinchen wenigstens eines dabei hat, das richtig zutraulich ist, sehr viel größer.

3. Training. Etwa auf den Namen, auf bestimmte Wörter als Futterlockruf reagieren, immer mit Leckerchen, auch einfache Kunststückchen sind möglich. Auslauf, Gehege immer wieder neu gestalten.

4. Füttern aus der Hand. Fressen ist sowieso die Lieblingsbeschäftigung, und Meerschweinchen fressen vor allem Gemüse. Das kann man wunderbar in Stücke schneiden und aus der Hand geben - und die Show genießen.

5. Kreativ sein. Gehege selber bauen, Häuser und verstecke selber bauen, belaubte Zweige aus dem Garten oder dem Wald holen, den Auslauf immer wieder neu gestalten, Gras und Kräuter in flachen Schalen wachsen lassen und dann als besonderes Leckerchen rein stellen - das macht Kindern riesig Spaß. Und wenn die Häuser Pink und Lila lackiert werden ist’s den Schweinchen auch herzlich egal.

6. Futter suchen. Löwenzahn, Gras, Zweige - vieles dürfen sie haben. Die Kinder lernen ganz nebenbei, Pflanzen zu unterscheiden (Butterblume nicht, Giersch schon, Eiche nicht, Birnbaum schon), sind draußen unterwegs, und kennen Gemüse nicht nur tiefgekühlt, sondern fragen im Supermarkt, ob sie Fenchel und Brokkoli mitnehmen dürfen. Da gucken die Leute, wenn das Kind nicht wegen Schokolade jammert, sondern wegen Paprika! natürlich darf bei der Fütterung auch ein Kind Karotte mit naschen, machen sie ganz von alleine - wenn man die gleiche Menge auf den Essensteller legt gibt’s lange Gesichter.


Streicheln ist MAL erlaubt - aber eben lieber nur 1-2 mal die Woche wenn sowieso der Gesundheitscheck ansteht, alle mal auf die Waage kommen (so lernt ein Kind Verantwortung), Krallen und verfilztes Fell geschnitten werden, und das Fell durch gewuschelt werden sollte, damit man keine Parasiten oder Wunden übersieht.

Viele Kinder sind da sehr gewieft, haben auch Spaß an arbeiten wie misten und Beobachten, wissen sehr viel mehr über die Tiere als man ahnt und treiben einen oft zur Weißglut - etwa wenn ihnen Samstag Abend um neun Auffällt, dass eines krank ist und man JETZT SOFORT in die Tierklinik muss. Weil es sich so total anders verhält und nicht mal mehr gelbe Paprika mag.

Je artgerechter die Tiere gehalten werden, desto mehr können Kinder mit ihnen anfangen - dadurch brauchen sie aber viel Platz. bei zwei Schweinchen im Käfig ist das Ergebnis eher zwei total gelangweilte Tiere, die immer nur im Häuschen sitzen, sich kaum mal blicken lassen, mit denen Kind auch nichts anzufangen weiß.