Warum man Meerschweine nicht alleine halten sollte

 

Einzelhaltung widerspricht dem Tierschutzgesetz und ist in Österreich und der Schweiz seit der letzten Präzisierung der Gesetzestexte ausdrücklich verboten. Auch in Deutschland werden Anstrengungen unternommen, den Gesetzestext klarer zu fassen.

 

 

- Meerschweine haben eine vielfältige Sprache, eine Vielzahl von Lauten. Leben sie alleine äußern sie oft nur noch ein bis drei verschiedene Laute im Gegensatz zu über 20 verschiedenen im Umgang mit Artgenossen.

- Einzeltiere liegen oft teilnahmslos herum, erkunden beim Auslauf weniger ihre Umgebung und fressen weniger.

- Wenn jemand sagt, sein Meerschweinchen wäre auch alleine glücklich hat er meistens einfach noch keine harmonische Gruppe beobachten können – es ist ein wirklich himmelweiter Unterschied.

- Meerschweinchen leben in der Natur nur in Gruppen. Sie sind typische Beutetiere, die Gruppe gibt ihnen Sicherheit. Auch als Haustiere merkt man deutlich: je größer die Gruppe, desto sicherer fühlt sich das einzelne Schweinchen.

- Einzeln zu leben wiederspricht einfach ihrer Natur, sie brauchen immer Artgenossen um sich herum, auch kein Kaninchen kann ihnen das ersetzen – und schon gar kein Mensch, der jeden Tag viele Stunden in der Arbeit ist und auch sonst nur ein schlechter Ersatz ist – spricht er doch eine ganz andere Sprache und wirkt insgesamt eher bedrohlich.

 

Manchmal werden Tiere auch alleine gehalten, weil es vorher mit Artgenossen nicht geklappt hatte. Das hat aber oft gute Gründe: vielleicht war der Käfig so klein, dass es darin einfach zu Streitereien kommen musste. Selbst mit seinem besten Freund würde man selbst es ja auch kaum in einem winzigen Zimmer auf Dauer aushalten. Die richtige Käfiggröße für 2-3 Tiere sind 140x70cm als Minimum!

Oder es wurden Fehler gemacht wie mangelnder Auslauf, falsches Futter (zu viel Trockenfutter, zu wenig Gemüse, zu wenig Heu), oder ein Tier war krank und deswegen bissig – einfach durch Schmerzen. Womöglich waren es auch zwei unkastrierte Böcke, die in der Pubertät Probleme hatten. Selten erwischt man auch zwei Tiere, die sich einfach nicht leiden können und nicht zueinander passen – aber zu jedem Topf gibt es den passenden Deckel. Oft hätte es schon genügt, es einfach noch mit einem anderen Meerschweinchen zu versuchen, das vom Alter oder Geschlecht oder Temperament einfach besser passt.

 

 

 

 

Wenn man das Einzelleben ändern möchte: es ist nie zu spät!

Einem älteren Böckchen kann man gut einen friedlichen netten anderen Bock dazu gesellen, hierbei sollte man sich unbedingt an ein Tierheim, einen Züchter oder eine Notstation wenden, die auch den Charakter der Tiere gut einschätzen können. Tiere aus Zooläden können oft weniger intensiv beobachtet werden, sie sind oft erst wenige Tage im Laden, bevor sie weiter verkauft werden und haben sich von den Aufregungen des letzten Transports noch gar nicht erholt – man kann da unmöglich sagen, ob sie nett zu anderen Böcken sind oder eher Machos.

Einem Weibchen setzt man ideal ein kastriertes Böckchen hinzu. Ist das Weibchen schon über fünf Jahre wäre zu überlegen, ein kastriertes Böckchen und ein zweites Weibchen dazu zu holen, so hat sie Gesellschaft, wird aber nicht gar zu sehr in Anspruch genommen.

Wenn man wirklich sicher ist, keine weiteren Tiere mehr zu wollen ist das beste, was man seinem Tier tun kann, es abzugeben. Es zu behalten, obwohl man weiß, dass die Einzelhaltung es quält und doch nur eine Verlängerung seines Leidens ist, ist einfach nur menschlicher Egoismus. Damit tut man dem Tier wirklich keinen Gefallen. Auch wenn es nicht offensichtlich leidet, so ist es dennoch sehr einsam.

 

Es ist keine Schande zuzugeben, dass man sein Tier früher schlecht gehalten hat, aber es ist wirklich schlimm, damit weiter Fortzufahren, obwohl man es mittlerweile besser weiß!