Die Kastration
Bei Meerschweinchen ist die Kastration bei Böcken absoluter Standart. Um mit Weibchen zu leben geht es nicht anders, aber auch in Bockgruppen ist die Kastration absolut ratsam.
Dabei gibt es Frühkastration und normale Kastration.
Nachdem Meerschweinchenböcke schon ab einem Gewicht von 250g fruchtbar sein können, kann man Babyböckchen schon vor diesem Gewicht kastrieren lassen. Das hat den großen Vorteil, dass sie bei Mutter und Schwestern bleiben können, keine Trennung notwendig wird. Das empfiehlt sich besonders bei unerwartetem Nachwuchs, wenn man keine Möglichkeiten hat, den Jungböcken einen erwachsenen Bock als Gesellschaft zu geben. Bei Frühkastraten kann man nicht immer vorhersagen, wie sie sich entwickeln. Manche werden trotzdem zu Machos, andere sind zurückhaltender und kommen besser in Gruppen mit weiteren Böcken zu Recht.
Wichtig ist gerade bei Frühkastrationen, dass der Patient wirklich kerngesund ist. In diesem Alter ist Parasitenbefall ja sehr häufig und erhöht das Narkoserisiko unnötig. Manchmal ist es auch etwas schwierig einen Tierarzt dafür zu finden, dadurch dass die Hoden noch nicht abgestiegen sind ist es etwas schwierig heranzukommen, aber oft ist es möglich, mit dem Tierarzt zu reden.
Die normale Kastration findet ab einem Gewicht von 300g statt, viele Tierärzte kastrieren auch erst später – was eigentlich nicht notwendig ist, gesunde Meerschweinchen stecken die Narkose je jünger desto besser weg. Oft hat es eher damit zu tun, wie viel Fuzelarbeit der Tierarzt machen möchte, Meerschweinchenhoden sind bei Jungböcken wirklich sehr klein.
Nach einer normalen Kastration muss der Bock mindestens sechs Wochen von Weibchen getrennt bleiben, bis er sicher nicht mehr fruchtbar ist. Deswegen ist es sehr wichtig, dass er solange Gesellschaft von anderen Böcken hat.
Die Operation:
Wichtig ist zuerst die Wahl der Narkosemethode.
Inhalationsnarkose ist die schonendste Methode, die sich auch für ältere, angeschlagene oder Babyböcke am besten eignet. Das Meerschweinchen ist danach sofort wieder wach.
Injektionsnarkose mit anschließendem Aufwecken ist auch schonend, insbesondere weil sie direkt aufgeweckt werden und gleich wieder fressen können.
Am häufigsten wird wohl eine normale Injektionsnarkose verwendet, bei der die Meerschweinchen noch mehrere Stunden danach schlafen. Der Vorteil ist, dass sie dabei die Schmerzhafteste Phase einfach verschlafen, aber die Belastung für den Kreislauf und die Leber ist deutlich erhöht. Das sollte deswegen nur bei wirklich fitten Böcken zwischen fünf Monaten und drei Jahren gemacht werden, die ein ordentliches Gewicht haben, ohne zu dick zu sein, und sie sollten vorher gründlich untersucht werden um eventuelle Herzfehler oder Vorerkrankungen auszuschließen. Injektionsnarkosen sollten auch unbedingt früh morgens gemacht werden, nachmittags und abends ist der Kreislauf nicht mehr stabil genug.
Der Eingriff selber ist nichts großes, zwei Winzige Schnitte in den Hodensack, die Hoden werden entnommen und schon kann genäht werden. Die ganze Operation dauert nur wenige Minuten, was wiederum gegen eine Injektionsnarkose spricht, die viel länger wirkt als notwendig und sinnvoll.
Nach der Kastration
Sobald ein Meerschweinchen wieder richtig wach ist kann es abgeholt werden – bitte niemals schlafende Tiere transportieren. Ist der Patient nach mehreren Stunden nicht wieder wach sollte er geweckt werden. Futter darf sofort wieder gegeben werden.
Meerschweinchen sollten direkt nach Operationen auf sauberen Tüchern statt auf Streu gehalten werden, damit keine Einstreukrümel in die Wunde kommen. Ihre Kollegen sollten sie die ersten Stunden in Ruhe lassen, Idealerweise empfiehlt es sich gerade bei Böcken, alle Gruppenmitglieder an einem Tag kastrieren zu lassen, damit alle die gleichen Vorraussetzungen haben, das ist deutlich weniger Stress und kein Grund zu Streit – insbesondere wenn der Chef der Gruppe noch Müde ist kommen sonst unterlegene Böcke auf die Idee, mal richtig aufzudrehen.
Sieben bis zehn Tage nach der Kastration werden wenn nötig die Fäden gezogen. Als Halter muss man täglich die Wunde kontrollieren, insbesondere auf Rötungen, Schwellungen, Beulen oder nässen achten, und im Zweifelsfall lieber einmal mehr den Tierarzt einen Blick drauf werfen lassen. Auch noch mehrere Wochen nach der Kastration können sich Abszesse bilden, deswegen mindestens sechs Wochen nach der Operation zwei Mal die Woche die Wundregion anschauen und das Meerschweinchen wiegen.
Komplikationen
Entzündungen sind Gott sei dank eher selten, können aber vorkommen. Gerade etwas ältere Böckchen haben an ihren Hoden Fettkörper, die wirklich sauber entfernt werden müssen, andere vertragen Selbstauflösende Fäden nicht und entwickeln deswegen Abszesse. Bei Böcken unter einem Jahr sind Entzündungen deutlich seltener. Die Narkose wird meist gut vertragen, bestehen da Bedenken unbedingt einen Tierarzt suchen, der Inhalationsnarkose anbietet.
Die Kosten
Nach GOT kostet eine Kastration 35 Euro, der dreifache Satz ist erlaubt. Oft lohnt es sich, mehrere Tierärzte nach ihren Preisen und Narkosemethoden zu Fragen, bei Inhalationsnarkose kostet es oft ein wenig mehr, aber das geringe Risiko ist den Preis wirklich wert.
Weibchen
Weibliche Meerschweinchen sollten nur dann kastriert werden, wenn es zwingend notwendig ist – etwa nach einem Kaiserschnitt oder wenn andere Behandlungsmöglichkeiten von Eierstockzysten bereits ausgeschöpft sind. Die Kastration von Weibchen ist eine sehr große und sehr riskante Operation, bei der der Bauchraum geöffnet werden muss. Oft kommt es danach noch zu größeren Blutungen und Futterverweigerung durch die starken Schmerzen.