Außenhaltung
Außenhaltung macht sehr viel mehr Arbeit als Innenhaltung, Gehege und Ernährung kosten deutlich mehr Geld und es besteht immer das Risiko, die Meerschweinchen über den gesamten Winter ins Haus holen zu müssen. Ein Gehege wirklich sicher gegen Raubtiere zu bauen ist viel Arbeit und gerade bei feuchtem und kaltem Wetter muss man sehr viel mehr zeit draußen verbringen als einem lieb ist.
Wird von Außenhaltung gesprochen heißt es oft, die Meerschweinchen müssen raus, weil der Platz in der Wohnung nicht reicht, weil sich jemand gestört fühlt wenn sie zu lange nicht gemistet wurden, oder weil es Allergien gibt. Das sind aber keine guten Gründe für Außenhaltung.
Wenn jemand seine Meerschweinchen wirklich draußen halten will, ist es notwendig, sich voll darauf einzulassen, viel Geld und Arbeit in den Bau eines Geheges zu stecken und insbesondere im Winter viel Zeit zu brauchen, um den Stall trocken und warm zu halten. Auch die erhöhten Kosten für den größeren Nahrungsbedarf bei Kälte sind nicht zu vernachlässigen.
Bewohner
Nicht alle Meerschweinchen sind für Außenhaltung geeignet. Ältere oder kränkliche Tiere gehören in die Wohnung, gerade Kälte und feuchtes Wetter vertragen sie nicht gut. Im Falle einer Krankheit muss man oft Meerschweinchen in die Wohnung holen, und das kann dann bis Mai dauern, bevor sie wieder raus können. Daher sollte man auf kerngesunde Tiere achten, um nicht unfreiwillig die halbe Gruppe über Winter ins Haus holen zu müssen. Für ältere Meerschweinchen sollte man immer eine Möglichkeit zur Innenhaltung bereithalten.
Bockgruppen und Gruppen mit mehreren Böcken sind für Außenhaltung generell nicht gut geeignet. Hier kommt es oft zu Streitereien und Mobbing, die oft nur durch intensive Beobachtung festgestellt werden können. Im falle von ernsten Streitigkeiten werden unterlegene Tiere oft nicht in die Schutzhütte gelassen was bei kaltem Wetter einem Todesurteil gleich kommen kann.
Es sind also nur stabile Gruppen von einem Kastraten mit mehreren Weibchen ratsam, und ganz wichtig: es sollten mindestens vier, besser sechs Meerschweinchen zusammen gehalten werden. Kleinere Gruppen bieten den Tieren nicht genug Sicherheit und produzieren nicht ausreichend Wärme um die Schutzhütte warm zu halten. Wer nur zwei Meerschweinchen hat ist besser beraten, die Tiere über Winter oder bei Schlechtwetterperioden in die Wohnung zu holen.
Meerschweinchen die längere Zeit in der warmen Wohnung oder auch einer Tierarztpraxis waren können danach nicht wieder in ein kaltes Außengehege gebracht werden. Waren sie länger als zwei Stunden im haus müssen sie so lange drinnen bleiben, bis es auch nachts über 15 Grad hat. Dabei brauchen sie natürlich Gesellschaft.
Standort
Das Gehege sollte an einer schattigen, windgeschützten Stelle stehen. Wichtig ist auch, dass bei Regen kein Wasser hinein läuft. Insbesondere im Sommer sollte bedacht werden, dass die Sonne wandert – wo es morgens schön schattig war kann mittags die Sonne hin knallen und ein Hitzschlag ist ein sehr häufiges Problem.
Stall
Die eigentliche Schutzhütte sollte so klein sein, dass die Meerschweinchen bequem rein passen, mit ihrer Körperwärme aber die Hütte ausreichend aufwärmen können, damit es keine Minusgrade haben kann. Ein Windfang hinter dem Eingang und ein separater Raum für Wasser und Frischfutter sind sinnvoll. Die eigentliche Schlafkammer wird im Winter mit viel Stroh, heu und Einstreu zusätzlich ausgepolstert und muss bei jedem Wetter täglich gereinigt werden – nasse Einstreu lässt die Meerschweinchen zu stark auskühlen.
Zur Isolation empfiehlt sich ein Schichtweiser Wandaufbau aus Holz-Styropor-Holz. Auch Boden und Dach müssen isoliert werden.
Im Sommer muss besonders der Stall im schatten liegen um einen Wärmestau zu vermeiden.
Im Winter sollte ein Thermometer im Innenraum angebracht werden, mit Kirschkernkissen oder Snuggle Safe kann man bei sehr kalten tagen die Temperatur etwas erhöhen – sollte aber über Nacht das Wasser bis unten durch frieren muss man die Meerschweinchen in die Wohnung holen. Bei zu schlimmer Kälte können Meerschweinchen kaum so viel Energie durch Futter aufnehmen, wie sie brauchen um ihre Körpertemperatur aufrecht zu halten.
Zu überlegen ist die Möglichkeit einer leichten Beheizung der Schutzhütte. Im Bedarf für Gewächshäuser gibt es Frostwächter zu kaufen, die so eingestellt werden können, dass sie bei Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt eine Heizung einschalten, bis wieder angenehmere Temperaturen erreicht sind. Das braucht nicht viel Strom, ist aber sehr viel sicherer für die Tiere. Die Heizung selbst kann beispielsweise aus Wärmedrähten für den Terrarienbedarf oder Wärmelampen bestehen, dabei unbedingt Anleitungen und Sicherheitsabstände zu brennbaren Materialien beachten. Sinnvoll wäre hierbei ein geräumiges Gartenhäuschen, das man beheizt und in dem die Meerschweinchen auch ausreichend Bewegungsmöglichkeiten haben.
Gehege
Die Größe sollte mindestens 1m² pro Schweinchen betragen. Davon sollte mindestens die Hälfte überdacht sein – keinesfalls sollte Außenhaltung bedeuten, dass die Meerschweinchen bei Regenwetter nur noch in einem winzigen Stall sitzen müssen.
Zur Absicherung gegen Untergraben muss rundum 50cm tief Gitterzaun eingegraben werden, oder es werden 30cm breit Gartenplatten außen um den Zaun verlegt. Der Zaun muss fest in der Erde verankert werden, um ein Hochschieben durch Raubtiere zu vermeiden. Sind im Garten Mäuse, Maulwürfe oder andere Bodenbewohner unterwegs, sollte der gesamte Boden mit feinmaschigem Volierendraht oder Gartenplatten ausgelegt werden.
Beobachtungsposten
Natürlich will man seine Meerschweinchen nicht nur füttern und misten, sondern auch beobachten. Insbesondere im Winter ist das auch sehr wichtig um eventuelle Erkrankungen frühzeitig zu bemerken und gegensteuern zu können, bevor man mehrere Tiere in die Wohnung holen muss. Daher sollte beim Bau gleich eingeplant werden, dass man selber auch einen Platz zum beobachten hat, ggf. auch ein Fenster in der Schutzhütte, oder einen teil des Auslaufs so hoch bauen, dass man darin sitzen kann. Gerade im Winter ist hierfür auch eine Beleuchtung notwendig. Gute Dienste erweist ein kleines Gartenhäuschen, in das man die Schutzhütte bauen kann – so hat man auch für Stallarbeiten etwas wärme und es ist immerhin trocken.
Gartenhäuschen
Eine sehr komfortable Möglichkeit zur Außenhaltung bilden Gartenhäuschen. Sie bieten Schutz vor Sonne, Wind und Wetter und es gibt auch geräumige Größen zu vernünftigen Preisen. Mit angeschlossenem raubtiersicheren Auslauf und eingebauter doppelt isolierter Schutzhütte bieten sie den Meerschweinchen auch bei schlechtem Wetter genug Bewegungsmöglichkeiten. Sie sind raubtiersicher und können gut beheizt und beleuchtet werden. Auch für den Halter sind Gartenhäuschen praktischer, das Misten findet im trockenen statt und Platz für Futter, Heu und Streu ist auch gleich vorhanden.
Material
Für die Schutzhütte werden dickere Echtholzplatten verwendet, die mit Holzschutzlack jedes Jahr gestrichen werden müssen. Das Gehege baut man aus dickeren Kanthölzern und festen Winkeln. Als Draht muss Volierendraht verwendet werden, Sechseckdraht ist nicht sicher genug. Verzinkter Draht ist ein guter Schutz gegen Durchrosten, dennoch sollte der Draht jährlich überprüft werden, insbesondere Bodennahe Teile sollten im Zweifelsfall öfter erneuert werden. Für die Überdachung des Auslaufs kann man Wellkunststoff verwenden, darunter sollte dennoch Gitter sein, um auch kleine Löcher durch welche Marder, Mauswiesel oder Ratten schlüpfen könnten zu vermeiden.
Die reinen Materialkosten übersteigen schon leicht 500 Euro, also wirklich gut nachrechnen, ob das ins Budget passt!
Bodenbelag
Im Stall kann normale Kleintierstreu verwendet werden. Für das Gehege schwebt den meisten Außenhaltern erst mal Gras vor, aber leider wird daraus meistens nichts – die Meerschweinchen weiden alles bis auf die Wurzeln ab, und wenn man nicht mehrere Abteile immer wieder neu abteilen und ansähen kann bleibt bald nur noch Erde übrig.
Diese kann gestampft werden und so bleiben, mit Gartenplatten ausgelegt werden, oder mit Sand oder Rindenmulch eingestreut werden. Der Bodengrund sollte regelmäßig überprüft werden, auch drunter nach schimmeligen Stellen suchen, und bei Bedarf erneuert werden.
Pflanzen
Hohe Gehege können bepflanzt werden, allerdings müssen die für die Bewohner erreichbaren Regionen mit Zaun umwickelt werden, um einen übermäßigen Fraß vorzubeugen. Natürlich kommen nur ungiftige Wuchsfreudige Pflanzen in Frage.
Im Winter in die Wohnung?
Wenn es irgend möglich ist ist es in jedem fall vorzuziehen, Meerschweinchen bei längeren Schlechtwetterperioden oder im Winter in die Wohnung zu holen. Sie sind einfach nicht für europäische Winter geschaffen und müssen bei strengem Frost sonst zu viel in der Schutzhütte bleiben. Alternativ ist es Möglich, ein Gartenhäuschen zu bauen und das über Winter zu beheizen. Es gibt für Gewächshäuser Frostwächter, die sich so einstellen lassen, dass die bei Temperaturen unter 5 Grad anspringen und das Häuschen dann auf 8 grad erwärmen – damit bleiben bei vernünftiger Isolation die Stromkosten im rahmen und man kann auch ältere Meerschweinchen bei ihrer Gruppe lassen.
Was tun bei Unwetter?
Besteht eine Unwetterwarnung sollte es keine Frage geben, was man macht – es sollte völlig selbstverständlich sein, dass so lange alle Tiere in Sicherheit gebracht werden müssen. Im Winter empfiehlt sich hierbei ein kühler Keller oder eine Garage.
Ernährung
Insbesondere im Winter haben Meerschweinchen einen erhöhten Kalorienbedarf, um ihre Körpertemperatur aufrecht zu halten. Durch große Ohren und nackte Füße verlieren sie sehr viel Wärme, und sie bilden kein ausgesprochenes Winterfell. Die Gemüserationen sollten auf jeden Fall verdoppelt werden, wobei es besonders bei Frost notwendig ist, das Futter auf mindestens fünf Portionen zu verteilen, damit es nicht einfriert.
Nehmen die Meerschweinchen trotzdem ab kann es sogar notwendig werden, Trockenfutter zu geben, bis das Gewicht sich stabilisiert. Dabei muss bedacht werden, dass Trockenfutter zu gesundheitlichen Schäden, Fehlverdauung, Blähungen, Durchfall und Zahnproblemen führen kann. Deshalb ist eine sehr gründliche Überwachung notwendig, vor allem abtasten des Bauchs, um Blähungen rechtzeitig festzustellen und genaue Beobachtung beim fressen, um von Zahnproblemen frühzeitig etwas mitzubekommen.
Gesundheit bei Außenhaltung
Viele Außenhalter müssen schon für misten und füttern gerade im Winter mehrmals am Tag für einige Minuten zu ihren Meerschweinchen und vergessen darüber ein wenig, sich auch Zeit zum Beobachten zu nehmen. Gerade das ist aber sehr wichtig um zu sehen, ob es allen gut geht. Dafür muss also Zeit eingeplant werden und es sollte gleich beim Bau bedacht werden, dass man auch genug sieht, wenn die Tiere mehr Zeit in der Schutzhütte verbringen.
Der übliche Meerschweinchen-Tüv mit Gewichtskontrolle sollte bei Außenhaltung zweimal in der Woche durchgeführt werden, bei Trockenfutterfütterung im Winter jeden tag eine kleine Überprüfung wegen Blähungen und Durchfällen.
Sind bei Außenhaltung Operationen notwendig muss einiges bedacht werden: In der Narkose kühlen Meerschweinchen stark aus und brauchen oft Tage, um sich wieder wohl zu fühlen. Im Winter müssen frisch operierte Meerschweinchen unbedingt reingeholt werden. Auch im Sommer kann es schwierig sein, weil natürlich kein Dreck in die Wunde kommen sollte. Ggf. muss man einen Teil von Schutzhütte und Gehege für das operierte Tier abteilen und mit sauberen Tüchern auslegen.