Tiere sind als Geschenk oft sehr unglücklich - vielleicht will das Kind doch eine andere Art, oder es mag einfach weiße Mäuse viel lieber als schwarze, oder statt einer freudigen Überraschung stellt man an den Weihnachtstagen eine heftige Allergie fest.

 

Schließlich soll ein Kind sich jahrelang drum kümmern – und nicht genauso schnell das Interesse verlieren wie am Gitarre spielen, an Balletttanzen und an der Modelleisenbahn.

Die Anschaffung von Tieren sollte in einer Reihenfolge Ablaufen:

 

1. Das Kind äußert den Wunsch – Mama sagt nein.

 

2. Das Kind äußert über mehrere Monate immer wieder den Wunsch und zeigt damit, dass das Interesse nicht bloß eine Laune ist, weil eben die Schulkameraden auch Haustiere haben

 

3. Die Eltern informieren sich eingehend über Vor- und Nachteile der verschiedenen Tiere, lesen aktuelle Ratgeber dazu (keine 15 Jahre alten aus der Bücherei!) und diskutieren, was in Frage käme – und schlagen dann den Kindern vor, was möglich wäre.

ACHTUNG: alle Tiere machen Dreck, es fliegt Einstreu oft meterweit, es entstehen nicht so angenehme Gerüche, Heu und Streu stauben generell alles voll, man muss also oft saugen und Staub wischen. Ist das akzeptabel für alle Familienmitglieder? Bei Kindern mit empfindlichen Atemwegen sollten auch keine Tiere im Kinderzimmer sein wegen der hohen Staubbelastung!

 

4. Man besucht einen Züchter oder anderen Halter, trinkt da ne Stunde Kaffee, das Kind nimmt die Tiere mal auf den Arm und man sieht schon mal, ob erste allergische Symptome auftreten - besser an diesem Punkt abbrechen als am 25. Dezember ein Kind mit Atemnot und einen Käfig mit Kleintieren daheim haben! Für die gängigsten Tierarten gibt es auch Tests beim Allergologen, aber bei selteneren Arten ist das oft nicht so einfach.

Auch Gerüche, Laute und Lärmpegel sollte man besser vorher mal selber erleben, bevor man sich wirklich entscheidet. Man kann zwar oft lesen "Ratten riechen etwas streng" - ob einen dieser Geruch nun stört ist damit noch nicht geklärt.

 

5. Nur wenn das Kind wirklich eine der möglichen Tierarten will wird diese angeschafft – aber nicht einen Hamster nehmen, obwohl das Kind einen Hund will. Wenn die Wohnung nur Platz für Mäuse hergibt, das Kind aber Kaninchen will sollte lieber ganz verzichtet werden, als Kaninchen auf zu wenig Platz zu halten. Tierquälerei fängt eben nicht nur Käfighaltung von Hühnern an, sondern auch im eigenen Kinderzimmer

 

6. Erst informieren sich die Eltern wo sie gesunde Tiere finden, dann wird Zubehör gekauft – artgerechtes Zubehör, nicht einen viel zu kleinen Käfig, weil das Kinderzimmer ja sowieso schon zu klein ist. Irgendwann wird das Kind das Internet entdecken, „Kaninchen“ bei Google eingeben und aus allen Wolken fallen, wie tierquälerisch es seine Lieblinge hält. Auch artgerechte Haltung gehört zu einer Verantwortungsvollen Erziehung von Kindern! Was ist das für eine Aussage über Verantwortung, wenn die Eltern kurz vor dem Sommerurlaub das Zwergkaninchen aussetzen (oft als „Frei lassen“ Glorifiziert, in Wirklichkeit eher dem Fuchs überlassen es zu töten), oder aus falscher Sparsamkeit tierärztliche Behandlungen unterlassen oder rausschieben, bis das Tier kostenlos gestorben ist.

 

7. Der Käfig kann auch unterm Weihnachtsbaum stehen – aber bitte kein lebendes Tier! Das sollte das Kind sich selber aussuchen – ob beim Züchter oder im Tierheim. Die Eltern sollten vorher aber die in Frage kommenden Tiere besichtigen um zu entscheiden, ob das Kind wirklich da hin sollte – etwa wenn ein Zooladen völlig zerbissene unterernährte Rennmäuse hat muss das kein Kind sehen. Vielleicht wäre eine Notstation oder Pflegestelle da ein angenehmerer Ort um ihn ihren Kindern zu zeigen.

 

8. Das Kind hat die Wahl – auch wenn Mama Meerschweinchen mit roten Augen grässlich findet hat das Kind die Wahl.

 

9. Die Tiere müssen die ersten Wochen ihre Ruhe haben um sich einzugewöhnen und zahmer zu werden - auch daher sind die langweiligen Weihnachtsferien eine ungünstige Zeit. Die Versuchung gar zu oft die Tiere zu fangen und so zu verschrecken und bissig zu machen ist gar zu groß.

 

10. Die Eltern kümmern sich – jahrelang. Die Kinder können helfen, müssen aber überwacht werden ob sie ausreichend füttern (und nicht ihr Pausenbrot, sondern gesunde Nahrung) und wenn der Käfig stinkt ist das keine so tolle Erziehungsmaßnahme für das Kind, das in dem Gestank leben muss – sondern vor allem auch eine Qual für die Tiere, die teilweise durch die eigenen Ammoniakdämpfe Lungenkrank werden können.

 

11. Ein Teenie, der häufig weg ist heißt, die Tiere blieben bei den Eltern. Auch in einer Studentenbude können sie ggf. nicht mitgenommen werden. Soviel Interesse sollte also auch seitens der Eltern da sein.

 

12. Manche Tierarten leben sehr lange, weit über das Kindesalter hinaus, andere sterben sehr früh und konfrontieren so Kinder mit dem Tod - es ist abzuwägen, ob die Eltern riskieren wollen, auch noch in 50 Jahren Landschildkröten zu halten, oder ob sie einen kleinen Mäusefriedhof mit den letzten 10 Lieblingen im Garten haben wollen.

 

Wichtig:

 

Käfig und Zubehör kosten oft viel mehr als das Tier selber.

Die meisten Haustiere leben in Gruppen und sollen diese Möglichkeit auch in Gefangenschaft haben – wobei Pärchen in aller Regel Nachwuchs produzieren, der alsbald im Tierheim landet. Also kastrieren oder gleichgeschlechtliche Gruppen nehmen!

Im Zoohandel viel Misstrauen mitbringen – Geschlechtertrennung wird da oft stümperhaft gemacht. Der Fairness halber: bei manchen Tierarten ist es gerade bei Jungtieren auch schwer zu sehen, und schließlich werden oft viele verschiedene Tierarten geführt, bei denen sich ein Verkäufer bei allen auskennen sollte... erwarten Sie nicht zu viel, informieren sie sich vorher selber - nicht dass auch einfach aus Versehen der Verkäufer die Infos für Hamster mit denen für Lemminge verwechselt... und ein Verkäufer bekommt sein Geld eben auch für das VERKAUFEN nicht für kostenlose lange Beratungsgespräche. Dafür gibt es kein ausreichendes Personal, also lieber Hobbyhalter fragen, die gerne hin und wieder von ihrem liebsten Hobby erzählen!

Leider spart auch der Zoohandel gerne an Tierarztkosten, also wirklich aufpassen! Nicht mit irgendeinem Flohpuder abspeisen lassen, sondern ohne zu kaufen gehen!

 

Es ist sehr sinnvoll schon vorab Kontakt mit anderem Haltern aufzunehmen. Einfach um mal zu Besuch zu kommen und Probezuschnuppern (etwa, wie Meerschweinchen 5 Tage nach dem ausmisten riechen), beim ausmisten zu helfen, zu sehen ob es wirklich keine Allergien gibt und sich Tipps zu holen.

Tiere brauchen Platz und Auslauf – beim Auslauf geht schon mal was kaputt oder entsteht eine Pfütze. Gerade wenn die Kinder oft mal bei Freunden sind kommt auch mal die Zeit für überwachten Freilauf gar zu kurz – da muss er Käfig lieber doppelt so groß wie empfohlen sein, um das Fehlen zu kompensieren!

Tiere werden auch krank – und Tierärzte sind richtig teuer. Auch die Behandlung eines Meerschweinchens kann mal 100 Euro oder mehr kosten.

Urlaubsbetreuungen müssen sichergestellt sein – gerade wenn in den Sommerferien alle in Urlaub wollen ist das nicht immer ganz einfach. Das kann auch Geld kosten, und sollte ein Tier ausgerechnet während des Urlaubs krank werden oder gar sterben ist der Urlaub gründlich im Eimer.

Allergien – sie werden zwar locker 5-mal so oft erfunden um einen besseren Grund für die Abgabe von Tieren zu haben als „Ich hab keinen Bock mehr“, aber dennoch können sie entstehen. Insbesondere bei Katzen und Farbratten, Vögeln (vor allem Großsittichen und Papageien) und Hunden kommen Allergien relativ häufig vor. Es lohnt sich einen Test zu machen und einen Halter der gewünschten Tierart mal vorab zu besuchen um so direkt zu testen. Oft gibt es auch innerhalb eine Tierart große Unterschiede – helle Katzen sind verträglicher als dunkle, Pudel verträglicher als Schäferhunde, Langhaarige Meerschweinchen mit Locken besser Allergiker geeignet als Glatthaarrassen. Nackttiere schützen aber nicht vor Allergien sondern sind eher noch schlimmer!